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Vom Mittelalter bis ins 21. Jahrhundert: Die jüdischen Friedhöfe sind Zeugnisse ihrer Zeit

Die Geschichte der jüdischen Friedhöfe in Frankfurt und der Menschen, die dort beerdigt wurden, ist ebenso interessant wir historisch bedeutsam.

Im Frankfurter Stadtgebiet gibt es zwölf jüdische Friedhöfe. Drei davon haben einen unmittelbaren Bezug zu der Frankfurter Jüdischen Gemeinde: die Friedhöfe Battonnstraße, Rat-Beil-Straße und Eckenheimer Landstraße. Die weiteren Friedhöfe sind kleine, nicht mehr genutzte Grabplätze u.a. in den Stadtteilen Rödelheim, Heddernheim und Bergen-Enkheim.

Der älteste Hinweis auf einen jüdischen Beerdigungsplatz in Frankfurt führt in die Nähe des Doms. Hier befand sich um das Jahr 1150 die erste jüdische Ansiedlung innerhalb der Stadtmauern. Beim Wiederaufbau Frankfurts nach 1945 wurden zahlreiche Gebeine Frankfurter Juden gefunden, die im frühen Mittelalter dort beerdigt worden waren. Sie wurden neben der großen Kreuzigungsgruppe am Dom wieder bestattet.

Die Öffnungszeiten der Friedhöfe

Friedhof Eckenheimer Landstraße 238 / Neuer jüdischer Friedhof: Täglich außer samstags und an jüdischen Feiertagen: Oktober bis März: 7 bis 16 Uhr, freitags bis 15 Uhr. April bis September: 7 bis 19 Uhr, freitags bis 18 Uhr

Battonnstraße: Den Schlüssel für den Besuch des Friedhofs erhalten Sie gegen Hinterlegung Ihres Personalausweises im Museum Judengasse. Dessen Öffnungszeiten sind Dienstag 10 bis 20 Uhr, Mittwoch bis Sonntag 10 bis 18 Uhr.
Täglich außer samstags und an jüdischen Feiertagen: Zeiten sind bei der Verwaltung des Jüdischen Friedhofs unter 069-76 80 36-790 zu erfragen.

Rat-Beil-Straße: Anlässlich der Tage des offenen Denkmals und im Veranstaltungsrahmen der Jüdischen Volkshochschule finden auf dem Friedhof Führungen statt. Nähere Informationen hierzu entnehmen Sie bitte der Tagespresse oder erfragen Sie bei der Verwaltung des Jüdischen Friedhofs: Telefon 069 / 76 80 36-790. 

Friedhof Battonnstraße

Das Grab von Meyer Amschel Rothschild, gestorben
Samstag, 19. September 1812
Der Friedhof an der Battonnstraße wurde bereits im Mittelalter angelegt. Es ist der älteste jüdische Friedhof in Frankfurt und nach Worms der zweitälteste in Deutschland. Der früheste Grabstein ist auf das Jahr 1272 datiert. Bis zum 16. Jahrhundert diente der Friedhof auch den jüdischen Gemeinden aus der Umgebung – von Wetzlar bis Aschaffenburg – als Begräbnisplatz. Als der Friedhof im 13. Jahrhundert angelegt wurde, lag er noch außerhalb der Stadtmauern. Bei der Stadterweiterung 1333 wurde er dann in das Frankfurter Stadtgebiet mit einbezogen. Im Jahr 1462 zwang der Rat der Stadt die Frankfurter Juden, ihr Siedlungsgebiet am Dom zu verlassen. Als Standort für das neu zu errichtende Getto „Judengasse“ wurde mit dem Wollgraben vor der alten staufischen Stadtmauer bewusst ein Areal in der Nähe des Friedhofs gewählt.

Bis 1828 wurde der Friedhof an der Battonnstraße als Begräbnisplatz der Frankfurter Gemeinde benutzt. Auf dem Areal befanden sich bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts etwa 6.500 Grabsteine, die überwiegend aus lokalem roten Sandstein gefertigt wurden. Während die älteren Grabsteine klein und schmucklos sind, weisen die späteren Steine die Hauszeichen auf, die zugleich häufig den Familiennamen entsprachen. Zudem sieht man auf den Gräbern neben den bereits damals üblichen Symbolen wie den segnenden Priesterhänden und der Levitenkanne auch Symbole wie Reuse, Mond, Krug oder Schilder.

Zu den bekanntesten Persönlichkeiten, die auf dem Friedhof Battonnstraße beerdigt wurden, gehört Mayer Amschel Rothschild, der Begründer der heute noch existierenden Bankdynastie. Sein Grab stammt aus dem Jahr 1812.

Der größte Teil des Friedhofs wurde 1943/44 während der Bombenangriffe auf Frankfurt zerstört. Allein das östliche Feld blieb weitgehend erhalten und bietet heute ein beeindruckendes Bild eines mittelalterlichen jüdischen Friedhofs. Etwa 175 wertvolle Grabsteine, die vor den Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs gerettet werden konnten, wurden nach der Instandsetzung des Friedhofs in den fünfziger Jahren entlang der Innenseite der Friedhofsmauer aufgestellt. Grabsteine von bedeutenden Persönlichkeiten der Frankfurter Jüdischen Gemeinde finden sich auf dem Ehrenfeld im Südwest-Teil des Areals. Dort wurden auch die Rabbiner Josua Falk, Nathan Adler, Meir Schiff Katz und Pinchas ben Zwi Horowitz bestattet.

Heute grenzt der Friedhof an den Börneplatz, wo sich das Museum Judengasse und die Gedenkstätte an die in der Pogromnacht vom 9. November 1938 zerstörte Börneplatz-Synagoge befinden. Die Friedhofsmauer selbst wurde 1996 zu einer Gedenkstätte umgestaltet. Sie erinnert an die 12.000 aus Frankfurt deportierten und ermordeten Juden, darunter auch Anne Frank.

Friedhof Rat-Beil-Straße 10

Streng klassizistisches EingangsportalDer Friedhof an der Rat-Beil-Straße wurde 1828 angelegt. Heute wird das Friedhofsfeld von drei Seiten vom Frankfurter Hauptfriedhof eingeschlossen. Das streng klassizistische Eingangsportal mit der hebräischen Inschrift „Wer geraden Weges wandelt, ziehe ein in Frieden, dorthin, wo sie auf ihren Lagern ruhen“ (Jesaja 57,2) wurde nach Plänen des Architekten Fritz Rumpf erbaut. Es spiegelt architektonisch das neue, durch die Emanzipation geprägte Selbstverständnis der Frankfurter Juden wider. Ebenso die Grabsteinkunst: Entsprachen die Steine in den ersten Jahren nach 1828 noch dem gewohnten traditionellen Stil, so wurden sie im Laufe des 19. Jahrhunderts immer mehr nach Belieben und den finanziellen Möglichkeiten der Hinterbliebenen gestaltet. So entstanden zahlreiche prunkvolle Grabmäler.

Zu den berühmten Persönlichkeiten, die auf diesem Friedhof beigesetzt sind, zählen Mitglieder der Familie Rothschild, der Maler Moritz Daniel Oppenheim (1799-1882), Nobelpreisträger Paul Ehrlich (1854-1915), die Frauenrechtlerin Bertha Pappenheim (1859-1936), der Begründer der „Casella Farbenwerke Mainkur“, Leopold Casella (1766-1847), der Begründer der Frankfurter Zeitung (heute F.A.Z.) Leopold Sonnemann (1831-1909), die Philanthropen Henry und Emma Budge und Charles Hallgarten (1838-1908) sowie der Historiker Isidor Kracauer (1852-1923).

Durch die Gräber der Rabbiner Samson ben Raphael Hirsch (1808-1888) und Israel von Stolin (1869-1921) ist der Friedhof im Laufe der Jahre zu einer Pilgerstätte für orthodoxe Juden aus der ganzen Welt geworden. Ähnlich wie an der Klagemauer in Jerusalem werden an das schlichte Grab des „Wunderrabbis“ Stolin Wunschzettel („Kwittlechs“) gesteckt und Gedenkkerzen angezündet. Weitere Rabbiner, die im Laufe des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Frankfurt am Main tätig waren, sind ebenfalls auf dem Friedhof an der Rat-Beil-Straße beigesetzt. Darunter der Nachfolger von Samson Raphael Hirsch, Salomon Breuer (1850-1926), sowie die Rabbiner der liberalen Bewegung Markus Horowitz (1844-1910) und Nehemia Anton Nobel (1871-1922).

Nachdem sich die 1851 gegründete orthodoxe „Israelitische Religionsgemeinschaft“ (IRG) vom zunehmenden Reformkurs der Frankfurter Gemeinde abwandte und 1876 aus der Hauptgemeinde austrat, erwarb sie im selben Jahr ein eigenes Beerdigungsfeld. Zum Zeitpunkt des Ankaufs grenzte das Grundstück an die östliche Mauer des Rat-Beil-Friedhofs.

Nach späteren Erweiterungen wurde das Gräberfeld der IRG mit der entsprechenden Mauer in den Friedhof der Hauptgemeinde integriert. Die Gräber sind hier in dem früher üblichen schlichten Stil gehalten.

Etwa 800 Gräber von Frankfurter Juden, die sich in den Jahren 1938 bis 1943 der nationalsozialistischen Verfolgung und Deportation durch Freitod entzogen haben, befinden sich im vorderen Teil des Friedhofsareals.

Friedhof Eckenheimer Landstraße 238

Das Ehrendenkmal für die in der Zeit des Nationalsozialismus ermordeten Frankfurter JudenDer Neue Jüdische Friedhof an der Eckenheimer Landstraße dient seit 1928 als Beerdigungsfeld der Jüdischen Gemeinde Frankfurt. Das 5,4 Hektar große Areal grenzt südlich an den Frankfurter Hauptfriedhof. Der Vorplatz und die angrenzenden Friedhofsgebäude wurden im Stil der neuen Sachlichkeit von Regierungsbaumeister Fritz Nathan (1891-1960) mit braunen Klinkersteinen erbaut. Drei nebeneinander liegende Pforten bilden das Hauptportal, das die hebräische Inschrift „Wandeln werd ich vor dem Antlitz des Ewigen in den Gefilden des Lebens“ (Psalm 116,9) trägt. In deutscher Sprache wiederholt sich der Vers auf dem Fries des gegenüberliegenden und auf das Gräberfeld führenden Portals. Die mittlere Hauptachse ist mit einer Menora abgeschlossen.

Im vorderen Bereich des Friedhofs befindet sich das Ehrenmal für die in der Zeit des Nationalsozialismus ermordeten Frankfurter Juden, das Grab des ersten Vorsitzenden der Israelitischen Gemeinde bis 1939, Dr. Julius Blau, und die Grabstätte des 1929 verstorbenen Religionsphilosophen Franz Rosenzweig. Ebenso befinden sich im vorderen Bereich des Friedhofsareals Gräber aktiver Mitglieder der Jüdischen Gemeinde der Nachkriegszeit. Die 1938 verstorbene Frankfurter Sozialpolitikerin Henriette Fürth ist ebenfalls dort beerdigt.

Der Neue Jüdische Friedhof zählt derzeit mehr als 8.000 Gräber.

Weitere jüdische Friedhöfe in Frankfurt

Durch die Eingemeindung zahlreicher Frankfurter Vororte im 19. und 20. Jahrhundert gibt es weitere kleinere, nicht mehr genutzte, jüdische Friedhöfe im Frankfurter Stadtgebiet. Sie sind für Besucher nicht öffentlich zugänglich. Es handelt sich um:

Friedhöfe in Bergen-Enkheim am Weißen Turm und in der Vilbeler Straße

Friedhof Bockenheim, Sophienstraße

Friedhof Griesheim, Heinrich-Hardt-Straße (innerhalb des christlichen Friedhofs)

Friedhof Heddernheim, In der Römerstadt

Friedhöfe in Niederursel und Urselbachtal, beide Oberurseler Weg

Friedhöfe in Rödelheim, Zentmarkweg, hinter der Straße Am Seedamm und

Westerbachstraße (innerhalb des christlichen Friedhofs)

Friedhof Fechenheim/Offenbach (in der Nähe des Schultheißweihers)

Kontakt

Jüdische Friedhöfe in Frankfurt
Eckenheimer Landstraße 238
60320 Frankfurt am Main

 069 / 76 80 36-790
 069 / 76 80 36-799
 friedhof@jg-ffm.de

Kontakt

Chewra Kadischa
Eckenheimer Landstraße 238
Telefonisch auch über den Jüdischen Friedhof zu erreichen
60320 Frankfurt am Main

 069 - 56 03 380
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