Menü

Die Geschichte der Jüdischen Gemeinde Frankfurt

Das jüdische Leben in Frankfurt prosperierte vom Mittelalter bis zur Zäsur in der Nazizeit. Nach 1945 stieg das Renommee der Gemeinde schnell. Heute ist sie fester Bestandteil der Stadtgemeinschaft.

Die Anfänge jüdischen Lebens in Frankfurt am Main gehen zurück ins 12. Jahrhundert, als sich in der Gegend um den heutigen Dom eine erste Jüdische Gemeinde etablierte. Die Verfolgungen der Jahre 1241 und 1349 markierten das Ende dieser Epoche. 1360 durften sich im Rahmen der Stättigkeit (Judenordnung der Stadt) wieder jüdische Familien in Frankfurt niederlassen.

1464 wurde den Frankfurter Juden ein Gebiet an der Stadtgrenze zugewiesen, wo später die Judengasse, das Frankfurter Ghetto, entstand. Hier lebten die Frankfurter Juden — mit einer Unterbrechung wegen des Fettmilchaufstandes (1614 bis 1616) bis zur Emanzipationszeit. Nach der bürgerlichen Gleichstellung 1864 zogen sie allmählich in andere Frankfurter Stadtteile um.

Bis 1933 zählte die Frankfurter Gemeinde mehr als 30.000 Mitglieder. Die Mehrzahl war in der Israelitischen Gemeinde organisiert. Mit der Gründung des Philanthropins 1804 wurde die Jüdische Gemeinde Frankfurt zum Zentrum der religiösen Reformbewegung.

Im Gegenzug entstand unter der Leitung von Rabbiner Samson Raphael Hirsch die orthodoxe Austrittsgemeinde, die sich 1848 in der Israelitischen Religionsgesellschaft zusammengeschlossen hatte. Neben zahlreichen kleinen Gebetshäusern gab es die Hauptsynagoge in der Judengasse, die Synagoge am Börneplatz sowie die Synagoge an der Friedberger Anlage, die 1907 für die Austrittsorthodoxie gebaut wurde, und die 1910 erbaute liberale Westend-Synagoge. Der freigeistige Charakter der Stadt spiegelte sich auch in der Frankfurter Jüdischen Gemeinde wider.

Zahlreiche Gemeindemitglieder nahmen wichtige Funktionen in der städtischen Kultur und Politik ein. Viele Institutionen, wie die Johann Wolfgang Goethe-Universität oder die Frankfurter Allgemeine Zeitung, gehen auf jüdische Stiftungen beziehungsweise Gründungen zurück. Bekannte Rabbiner aller religiöser Richtungen haben in Frankfurt gewirkt. Darunter Samson Raphael Hirsch, Markus Horovitz, Nehemia Anton Nobel, Ceasar Seligmann und Georg Salzberger.

In den zwölf Jahren der NS-Zeit wurde das jüdische Leben in der Stadt zerstört. Zwar war es vielen Gemeindemitgliedern gelungen, Deutschland rechtzeitig zu verlassen. Dennoch fanden etwa 12.000 Frankfurter Juden in den Vernichtungslagern der Nazis den gewaltsamen Tod.

Der Neuanfang

Nachdem die Stadt am 29. März 1945 durch die US-Armee befreit worden war, wurde im Juli 1945 der aus Theresienstadt zurückgekehrte Rabbiner Dr. Leopold Neuhaus von der amerikanischen Militärregierung mit der Gründung einer Jüdischen Gemeinde beauftragt. Nach der NS-Zeit waren nur noch wenige der ehemaligen Frankfurter Juden am Leben. Sie zählten zu den Gründervätern der Jüdischen Gemeinde Frankfurt; überwiegend waren dies jedoch polnische Überlebende des Holocaust. Sie waren zunächst in so genannten DP-Camps untergebracht — wie zum Beispiel in dem nahe Frankfurt gelegenen DP-Camp Zeilsheim.

Im Januar 1947 wurde der erste ordentliche Gemeindevorstand gewählt und am 1. Februar 1948 gab sich die Jüdische Gemeinde Frankfurt ihre erste Nachkriegssatzung. 1949 hat die Gemeinde den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts angenommen und zählte zu diesem Zeitpunkt rund 800 Mitglieder.

Im Jahr 1956 bekam die Gemeinde neuen Zuwachs: Nach dem Aufstand in Ungarn wanderten Überlebende aus Ungarn und Rumänien ein. 1968 folgten nach dem Prager Frühling und den antisemitischen Ausschreitungen in Polen Migranten aus der ehemaligen CSSR und Polen. In der Zwischenzeit waren auch zahlreiche Israelis Mitglieder der Jüdischen Gemeinde geworden.

Bis Mitte der achtziger Jahre lebte die jüdische Gemeinschaft in Deutschland in einer so genannten Gepackten-Koffer-Mentalität. Das galt auch für die Frankfurter Gemeinde. In Deutschland stagnierte die jüdische Gemeinschaft bei etwa 35.000, in Frankfurt bei etwa 4.500 Mitgliedern. Nachdem 1989 Juden aus der ehemaligen Sowjetunion die Ausreise ermöglicht wurde, hat sich die jüdische Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland mehr als verdreifacht, die Jüdische Gemeinde Frankfurt zählt heute knapp 7.000 Mitglieder.

Durch mehrere politische Auseinandersetzungen rückt die Jüdische Gemeinde Frankfurt in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. So zum Beispiel 1985 bei der Auseinandersetzung über die Aufführung des Theaterstückes „Der Müll, die Stadt und der Tod“ von Rainer Werner Fassbinder, 1987 in der Auseinandersetzung um die Ausgrabungen am Börneplatz und während der Walser-Bubis-Kontroverse des Jahres 1998.

Frankfurt entwickelt sich nicht nur zu einem Vorbild an Integration, sondern auch zu einer Einheitsgemeinde mit Vorzeigecharakter. Das gesamte religiöse Spektrum ist vertreten, seit Oktober 2007 finden in der Synagoge an der Freiherr-vom-Stein-Straße die orthodoxen und liberalen G“ttesdienste unter einem Dach statt; einen Egalitären Minjan findet man in Frankfurt ebenso wie die 2011 gegründete Jeschiwa Gedolah der Chabad-Bewegung.

Meilensteine der Jüdischen Gemeinde

Einige wichtige Daten in der Nachkriegsgeschichte der Gemeinde

1945: Rabbiner Dr. Leopold Neuhaus kehrt aus dem Konzentrationslager Theresienstadt nach Frankfurt zurück und wird mit der Gründung einer Jüdischen Gemeinde beauftragt

1949: Die Synagoge Baumweg wird neu eingeweiht

1950: Eröffnung des Kindergartens in der Gagernstraße 36, die Westend-Synagoge wird neu eingeweiht

1952: Eröffnung des Jüdischen Altersheims Gagernstraße

1955: Der erste Gemeinderat der Nachkriegszeit wird gewählt

1956: Zum ersten Mal werden vom Finanzamt Gemeindesteuern eingezogen

1955/56: An die Synagoge Baumweg wird das „Haus der Gemeinde“ angebaut. Es beherbergt einen Saal, ein Jugendzentrum, eine Religionsschule und eine Mikwe

1964: Eröffnung eines zweiten Kindergartens im Westend

1966: Gründung der Grundschule der Jüdischen Gemeinde im Gebäude der Westend-Synagoge

1968: Gründung des Frankfurter Jüdischen Gemeindeblatts

1968: Eröffnung des christlich-jüdisch geführten Henry und Emma Budge-Heims in Frankfurt-Seckbach

1969: Die Gemeinde errichtet am Röderbergweg ein Wohnhaus für 60 Mietparteien

1971: Der heutige Kindergarten Bereschit wird im Röderbergweg eröffnet

1974: Eröffnung des neuen Altenzentrums an der Bornheimer Landwehr

1978 Einweihung der Synagoge des Altenzentrums

1986: Das neue Gemeindezentrum wird eingeweiht, Hessens Ministerpräsident Holger Börner und der Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen, Max Willner, unterzeichnen einen Staatsvertrag, der die finanzielle Existenz der jüdischen Gemeinschaft sichern soll

1988: Im ehemaligen Rothschildpalais eröffnet das Jüdische Museum, Gründung der Jüdischen Volkshochschule

1992: Eröffnung des Museums Judengasse

1993: Errichtung und Eröffnung der Wohnanlage Saalburgallee

1995: Gründung des Fritz Bauer Instituts

1996: Einweihung der Gedenkstätte Börneplatz

2000: Das Gemeindezentrum wird zum Gedenken in Ignatz Bubis-Gemeindezentrum umbenannt

2004: Die Stadt Frankfurt gibt das Philanthropin an die Jüdische Gemeinde zurück

2006: Neueröffnung der Lichtigfeld-Schule im Philanthropin

2008: Neueröffnung der Krippe im Westend, Eröffnung des neuen umgebauten Altenzentrums an der Bornheimer Landwehr

2013: Die neue, luxuriös ausgestattete, Mikwe in der Westend-Synagoge wird eingeweiht

2014: Eine neu Welle antisemitischer Drohungen erreicht ihren Höhepunkt

2015: Eröffnung der Gedenkstätte Großmarkthalle im Gebäude der Europäischen Zentralbank

2016: Neueröffnung des Museums Judengasse

Informationen zu weiteren Jüdischen Orten in Frankfurt am Mainfinden Sie hier: www.juedisches-frankfurt.de.

Kontakt

Jüdische Gemeinde
Westendstraße 43
Gemeinderatssaal - 5. OG
60325 Frankfurt am Main

 069 / 76 80 36-100
 069 / 76 80 36 149

Termine