Beschreibung
Über Baseballschlägerjahre und rechtsextreme Kontinuitäten
Lesung und Gespräch mit Dmitrij Kapitelman und Manja Präkels
Mi., 10.06.26, 20:00 Uhr
Wie lässt sich die Geschichte rechter Gewalt seit den 1990er Jahren erzählen – und was davon wirkt bis heute fort?
Die Autor*innen Manja Präkels und Dmitrij Kapitelman sprechen über rechtsextreme Gewalt im Osten Deutschlands – von den Umbruchsjahren nach der Wiedervereinigung bis in die Gegenwart hinein. Im Mittelpunkt stehen persönliche Erfahrungen, literarische Perspektiven und die Frage, wie sich Gewalt, Angst und gesellschaftliches Wegsehen über Generationen hinweg einschreiben.
In ihrem Debütroman „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“ erzählt Manja Präkels vom allmählichen Verschwinden der DDR in einer brandenburgischen Kleinstadt, vom Wiederauftauchen lange verdrängter Geister sowie von Freundschaft, Wut und den Spannungen einer Umbruchszeit. Themen, an welche die Essaysammlung „Welt im Widerhall oder war das eine Plastiktüte“ und der Reportageband „Extremwetterlage“ vielfach anknüpfen. Dmitrij Kapitelman erzählt in seinen Büchern, zuletzt in dem 2025 erschienen Roman „Russische Spezialitäten“ von Migration, jüdischer Identität und familiären Prägungen, von bürokratischen Hürden, dem Ringen um Zugehörigkeit und den leisen wie den offenen Formen von Ausgrenzung im Alltag.
Ausgehend von Präkels’ Auseinandersetzung mit den frühen 1990er Jahren und Kapitelmans Blick auf Migration und Zugehörigkeit entsteht ein Gespräch über Kontinuitäten und Brüche.
Moderation: Erica Zingher
Dmitrij Kapitelman, in Kyjiw geboren, kam im Alter von acht Jahren als „Kontingentflüchtling“ mit seiner Familie nach Deutschland. Er ist Autor beim ZEITmagazin. 2016 erschien sein erstes Buch „Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters“, 2021 folgte „Eine Formalie in Kiew“, 2025 „Russische Spezialitäten“, das für den Deutschen Buchpreis nominiert war.
Manja Präkels wuchs in Brandenburg auf. Sie ist Autorin und Musikerin. 2017 erschien ihr autobiografisch geprägter Roman „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß", der die letzten Jahre der DDR und die gesellschaftlichen Verwerfungen nach der Wende in einer brandenburgischen Kleinstadt beschreibt.
Erica Zingher ist Journalistin, Autorin und Moderatorin. Alle zwei Wochen erscheint ihre taz-Kolumne „Grauzone“, zudem ist sie Host des ZEIT-Podcasts „Was Jetzt“. Für ihren Essay „Was wächst auf Beton?“ über ihre Familiengeschichte als jüdische Kontingentflüchtlinge erhielt sie 2021 den Axel-Springer-Preis (Silber). Zingher beschäftigt sich mit Antisemitismus, jüdischem Leben, postsowjetischer Migration sowie Osteuropa und Israel.
Eine Veranstaltung in Kooperation mit literaTurm
Fotos: Instagram @dmitrij_kapitelman @mani_urbani