Film ab für jüdisches Leben – ein Rückblick auf die Jüdischen Filmtage 2026
Vom 18. Oktober bis zum 1. November wurde Frankfurt erneut zum Treffpunkt jüdischer Filmkunst. Mit internationalen Spiel- und Dokumentarfilmen, Filmgesprächen und Performances boten die Jüdischen Filmtage 2026 zwei Wochen lang vielfältige Einblicke in jüdisches Leben, Geschichte und Identität und schufen Raum für Erinnerung, Austausch und neue Perspektiven.
Den Auftakt bildete am 18. Oktober der Eröffnungsabend im Kino des Deutschen Filminstituts und Filmmuseums (DFF). Gezeigt wurde „The Safe House" von Lionel Baier. Der Film erzählt vor dem Hintergrund der Pariser Mai-Unruhen 1968, die Geschichte einer außergewöhnlichen jüdisch-christlichen Familie. Im anschließenden Filmgespräch gab der Regisseur Einblicke in die Entstehung des Films.
Die Filme der Sektion „Rituale" widmen sich ebendiesen, die jüdisches Leben über Kontinente hinweg in seiner Vielfalt prägen. Sie richten den Blick auf jene besonderen Momente, in denen das Alltägliche sich in etwas Bedeutungsvolles verwandelt: eine Brit Mila, Bar- oder Bat-Mizwa, auf familiäre Traditionen und den Abschied, der im Kaddisch seinen Ausdruck findet. Die Filme zeigen, wie Rituale Zugehörigkeit schaffen, Identität formen und Gemeinschaft über Generationen hinweg lebendig halten. Die Sektion „Uncommon Ground“ versammelte reale und fiktionale Geschichten aus fast acht Jahrzehnten von Krieg, Konflikt, Besatzung und immer wieder enttäuschten Hoffnungen auf Zusammenleben. Sie reichen vom Ende der Kolonialzeit über die tiefgreifenden Umbrüche des Jahres 1948 bis zum 7. Oktober 2023 und seinen schmerzhaften Folgen.
Auch das weitere Programm zeigte die Vielfalt jüdischer Filmkunst. An zahlreichen Spielorten in ganz Frankfurt, darunter die Arthouse Kinos Cinéma und Harmonie, das Filmforum Höchst, das Instituto Cervantes, das Jüdische Museum, das Kino des DFF, das Mal Seh’n Kino und Massif E., wurden Filme wie „The First Lady“, „Out of Order“, „Shoshana“, „YES“ und „Where To?“ gezeigt. Sie beleuchteten persönliche Schicksale ebenso wie gesellschaftliche und politische Entwicklungen. Dokumentarfilme wie „Ada – My Mother the Architect“ und „All I Had Was Nothingness“ ergänzten das Programm um weitere Perspektiven auf individuelle Lebensgeschichten und historische Erfahrungen.
Neben den Filmvorführungen boten zahlreiche Veranstaltungen Raum für Austausch und Begegnung. Bei einem Panel zu „Memory.exe – KI zwischen Erinnerung, Manipulation und Verantwortung" wurde die Rolle künstlicher Intelligenz im Umgang mit Erinnerung diskutiert. Eine besondere Verbindung von Film und Literatur entstand durch die Lesung von Iris Berben aus „Mir zenen do!" mit Texten der Schejres Haplejte (Rest der Geretteten). Mit der Performance „Mein Onkel David. Eine begehbare Erinnerung" wurden zudem neue Formen des Erinnerns erfahrbar.
Das Festivalprogramm spannte auch einen Bogen zur deutsch-jüdischen Filmgeschichte: Mit „Lang ist der Weg" aus dem Jahr 1948 und der begleitenden Veranstaltung „Mir zenen do!“ wurde an frühe filmische Zeugnisse jüdischen Lebens nach der Schoah erinnert.
Die Gemeinde-App herunterladen