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03.12.2019 / Kislev - Tevet

Joseph Wulf – Ein Schriftsteller in Deutschland

"Joseph Wulf – Ein Schriftsteller in Deutschland"
Dokumentation von Henryk M. Broder, BRD 1977, 90min mit zahlreichen Interviews

Einleitung und Diskussion: Anselm Meyer

Die erste Generation der Shoa-Historiker ist in Deutschland immer noch unbekannt, verdängt und verleugnet.
Entgegen dem gängigen und kultivierten Mythos herrschte nicht jahrzehntelanges Schweigen vor.
Noch während der millionenfachen Vernichtung begannen jüdische Aktivisten mit der Dokumentation der Verbrechen und publizierten unmittelbar nach der Befreiung erste Quellen und Analysen, die in der Erstausgabe zumeist auf jiddisch verfasst waren und die bezeichnenderweise – zum Teil bis heute nur einem kleinen Kreis bekannt sind.
Joseph Wulfs Arbeit zur Dokumentation und Aufarbeitung der Shoah, die von Quellensammlungen und kleinen Biographien und Monografien alles abdeckten, mit der er unmittelbar nach Kriegsende begann, hätten schon früh als Grundlage für die Erforschung dienen können. Doch die deutsche Geschichtswissenschaft ignorierte Wulf, man könnte sogar sagen, bekämpfte ihn.
Zentrale Werke wie Léon Poliakovs "Bréviaire de la Haine/dt. "Das Brevier des Hasses" – das erste wissenschaftliche Werk über die Shoah überhaupt -sind bis heute nicht ins Deutsche übersetzt.
Den jüdischen Churban-Historikern, die den Holocaust untersuchten, bevor Begriffe wie "Holocaust" oder "Shoa" überhaupt geprägt wurden, schlug von Seiten der deutschen Historiographie – geprägt von Altnazis oder jungen "mitlaufenden Historikern (Nicolas Berg)" vor allem Verachtung und Missbilligung entgegen. In Deutschland wurde hingegen leidenschaftlich über Strukturalismus und Intentionalismus diskutiert, aber lange Zeit nicht über die Täter als solche.
Die Werke Joseph Wulfs wurden pauschal als unwissenschaftlich abqualifiziert und die jüdischen Verfasser persönlich diffamiert. Wulf griff dem, was später als Täterforschung akademische Kariere machte, in seinen Studien vor.
Wulf blieb zeitlebens als Jude, Staatenloser und Privatgelehrter ein Außenseiter der Geschichtswissenschaft. Nach seinem Tod geriet sein Werk weitegehend in Vergessenheit.
Erst in jüngerer Zeit wird seine Person wieder wahrgenommen. Der Film von Henryk M. Broder ist eine der ersten Würdigungen des jüdischen Historikers überhaupt. Wir wollen daran anknüpfen, und versuchen, Wulf und seine Werke wieder ins Bewusstsein rücken.

In Kooperation mit dem Deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e.V., Haus am Dom

Termininfos

Termin
03.12.2019
Beginn
19:00 Uhr
Ende
22:00 Uhr
Eintritt
kostenfrei
Karten
/
Veranstalter
Junges Forum Frankfurt der Deutsch-Israelischen Gesellschaft

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