Verleihung des Beni-Bloch-Preises für Jugendengagement 2026

Die Jüdische Gemeinde Frankfurt am Main K.d.ö.R. verleiht heute zum dritten Mal den Beni-Bloch-Preis für Jugendengagement 2026. 

Die feierliche Preisverleihung findet im Festsaal des Ignatz Bubis-Gemeindezentrum statt in Anwesenheit zahlreicher Vertreterinnen und Vertreter der Frankfurter Stadtpolitik, des hessischen Landtags, der Religionsgemeinschaften sowie vieler Gemeindemitglieder.

Die Begrüßung spricht der Vorstandsvorsitzende und zuständige Dezernent Benjamin Graumann, der die Bedeutung dieses Preises im Vorfeld betont: „Dieser Preis ist nicht bloß eine weitere Auszeichnung, sondern bedeutet uns, der Jüdischen Gemeinde Frankfurt so viel mehr: Wir ehren mit diesem Preis unser langjähriges Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde und den ehemaligen Direktor der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) Benjamin „Beni“ Bloch sel.A. und erinnern damit an seinen immensen Einsatz für die jüdische Gemeinschaft und für eine bessere Welt. Zugleich prämieren wir Jugendliche, die durch ihre Projekte die Werte von Beni Bloch aufrechterhalten und sich für das Gedenken und für jüdisches Leben sowie ein friedliches Miteinander in unserer Gesellschaft einsetzen. Wir freuen uns sehr, dass wir drei ganz wundervolle Projekte gefunden haben, die wir heute auszeichnen und so viele Vertreter der Stadtgesellschaft mit uns diese Projekte durch ihre Anwesenheit würdigen.“

Die Bürgermeisterin der Stadt Frankfurt, Dr. Nargess Eskandari-Grünberg spricht ein Grußwort bevor die Preisträger durch eigene Videovorstellungen ihre Projekte präsentieren und im Anschluss vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde Frankfurt mit dem Beni-Bloch-Preis für Jugendengagement 2026 ausgezeichnet werden. 

Die Preisträger, die in diesem Jahr alle gleich platziert wurden, erhalten zudem ein Preisgeld in Höhe von jeweils €500,00 als weitere Förderung ihrer Projekte. 

Ihnen allen gebührt ein herzlicher Glückwunsch und ein großes Lob für ihre vorbildliche Arbeit. 

Die drei prämierten Projekte des Beni-Bloch-Preises für Jugendengagement 2026 sind:

Projekt 1: „Jüdisches Leben sichtbar machen – die Synagoge Unterlindau 23“, Evangelisch-reformierte Gemeinde Frankfurt in Kooperation mit der Französisch-reformierten Gemeinde Frankfurt

Das KonfirmandInnen-Projekt „Jüdisches Leben sichtbar machen – die Synagoge Unterlindau 23“: der Evangelisch-reformierten Gemeinde Frankfurt in Kooperation mit der Französisch-reformierten Gemeinde Frankfurt stellt die Recherchearbeit zur während des Holocaust zerstörten Frankfurter Synagoge Unterlindau 23 in den Mittelpunkt. Dabei beschäftigten sich 12 KonfirmandInnen im Alter 11-14 Jahre mit der Geschichte der Synagoge und den Menschen, die dieser nahe standen. Es entstanden dabei zwei wesentliche Projektergebnisse: 1. Eine Anleitung zum Rundgang zu Orten und Personen rund um die Synagoge Unterlindau 23, die in der Frankfurt History App verfügbar ist und 2. analoge und digitale Rekonstruktionen der zerstörten Synagoge, die bereits vielerorts in Frankfurt ausgestellt wurden. Die Jury erkannte darin eine beeindruckende Auseinandersetzung mit der jüdischen Geschichte in Frankfurt während der Shoa und eine kreative Wissensvermittlung, die den jungen Menschen einen persönlichen Zugang ermöglicht und damit zur Förderung einer aktiven und nachhaltigen Gedenkkultur beiträgt.

Projekt 2: „Jüdisches Leben in Bockenheim sichtbar machen – der jüdische Friedhof an der Sophienstraße 70“, Max-Beckmann-Schule in Frankfurt

Das Schulprojekt „Jüdisches Leben in Bockenheim sichtbar machen – der jüdische Friedhof an der Sophienstraße 70“ der Max-Beckmann-Schule in Frankfurt erforschte das jüdische Leben im Stadtteil Bockenheim vor der Zeit des Nationalsozialismus. Etwa 30 SchülerInnen der Jahrgangsstufe 12 und 13 forschten zur Geschichte des hinter ihrer Schule liegenden jüdischen Friedhofs und rekonstruierten anhand ausgewählter Grabsteine jüdische Biografien und setzten sich aktiv mit der jüdischen Religion und der jüdischen Geschichte in Bockenheim auseinander. Dabei wurden sie u.a. wissenschaftlich vom Buber-Rosenzweig-Institut oder vom Fritz-Bauer-Institut begleitet. Am Ende des Forschungsprojekt wurde eine nunmehr dauerhaft installierte Gedenktafel am Friedhof angebracht. Für die Jury ist dieses Projekt ein vorbildliches Beispiel dafür, wie Frankfurter jüdische Geschichte und ihre authentischen Orte durch Engagement junger Menschen der Vergessenheit entrissen und die Sichtbarkeit früheren jüdischen Lebens in unserer Stadt als Lern- und Erinnerungsort zugänglich und erfahrbar gemacht werden können.

 

Projekt 3 „Geschichte im Gespräch – Von der Begegnung mit Leonid Vinderman zu einer gelebten Erinnerungskultur“, Erich Kästner-Schule Maintal Bischofsheim

Das Schulprojekt der Erich Kästner-Schule in Maintal Bischofsheim thematisiert die Begegnung mit Shoa-Überlebenden in Zeiten, in denen diese tagtäglich schwinden und es somit immer weniger Möglichkeiten eines persönliches Treffens gibt. Die Begegnung des 10. Jahrgangs der Schule mit dem 95-jährigen Shoa-Überlebenden Leonid Vinderman sel.A. im März 2025 war eingebettet in einer Unterrichtsreihe anlässlich des 80. Gedenktages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Dabei wurden über eine Woche hinweg diverse Erinnerungsformate, wie die Beteilung an der Gedenk-Kampagne „Remember This“ oder das Zeigen von Videobeiträgen von Shoa-Überlebenden veranstaltet. Zudem entstanden weitere Projekte, wie der Besuch von thematisch bezogenen Ausstellungen und Projektarbeiten zu jüdischer Geschichte in Maintal oder zu Themen der Demokratieförderung. Die dabei gebildeten Kooperationen, z.B. mit der Jewish Claims Conference oder der weitere Austausch mit Shoa-Überlebenden wie Eva Szepesi und ihren Angehörigen stellen eine profunde Etablierung einer würdigen Erinnerungskultur dar, so die Jury. Aus einer wichtigen Begegnung mit einem Zeitzeugen, ist nach Meinung der Jury ein gesamtschulisches Bewusstsein für das Erinnern und eine überzeugte Haltung gegen das Vergessen geworden, das ein Vorbild für Schulen bundesweit sein sollte.

Die Jury des Beni-Bloch-Preis für Jugendengagement ist von den drei ausgewählten Projekten gleichermaßen tief beeindruckt. Der Vorstandsvorsitzende und zuständige Dezernent Benjamin Graumann betont: „Alle diesjährigen Preisträger zeigen ein außergewöhnliches Maß an Geschichtsbewusstsein und wollen dieses, ganz im Sinne Beni Blochs, durch kreative, nachhaltige und bewegende Weise vermitteln und fördern. Daher konnten und wollten wir in diesem Jahr gar keine Platzierung der drei ausgewählten Bewerbungen vornehmen und vergeben allen drei Gewinnern den gleichen Platz. Die Beteiligten und Verantwortlichen der Projekte, ob SchülerInnen, LehrerInnen, KonfirmandInnen oder die zuständigen Gemeinden, haben sich auf herausragende Weise für eine würdige Gedenkkultur eingesetzt. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen das Vergessen und das Lernen aus der Vergangenheit. Durch ihr Engagement zeigen sie klare Haltung gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus und geben Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Wir freuen uns, dass wir zum dritten Mal den Beni-Bloch-Preis für Jugendengagement in einer feierlichen Zeremonie am 1. Juni 2026 verleihen und dabei alle Preisträgerinnen und Preisträger persönlich auszeichnen können. Wir danken allen Bewerberinnen und Bewerbern und wünschen ihnen für ihre weitere Arbeit viel Erfolg und eine breite Unterstützung.“

Hintergrund zum Beni-Bloch-Preis für Jugendengagement

Der Beni-Bloch-Preis für Jugendengagement wird zum dritten Mal verliehen. Er wurde am 14. Februar 2021 ins Leben gerufen. Mit diesem Preis möchte die Jüdische Gemeinde Frankfurt an sein früheres Vorstandsmitglied und Direktor der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V. (ZWST), Benjamin Bloch und an dessen unermüdliches Engagement für die jüdische Gemeinschaft in Frankfurt und bundesweit, sowie an seinen Einsatz für soziale Gerechtigkeit für die Gesamtgesellschaft erinnern. Der Beni-Bloch-Preis für Jugendengagement soll dazu animieren sich mit jüdischem Leben in Frankfurt und Hessen sowie mit allgemeinen gesellschaftlichen Herausforderungen auseinanderzusetzen. Ausgezeichnet werden Einzelpersonen (Mindestalter 12 Jahre), Schulklassen, Vereine, Jugendprojekte und -initiativen, die im Sinne Beni Blochs handeln und somit einen Beitrag zu einer sozialeren und toleranteren Gesellschaft leisten. Die Jüdische Gemeinde Frankfurt am Main will damit junge Menschen und Multiplikatoren würdigen und zugleich weitere motivieren, sich für ein tolerantes und friedvolles Miteinander einzusetzen. 

Der Beni-Bloch-Preis für Jugendengagement wird alle zwei Jahre verliehen.

Kontakt

Für weitere Fragen steht Ihnen die Leiterin für Politische Beziehungen, Michaela Fuhrmann, unter m.fuhrmann@jg-ffm.de oder 069-768036 100 zur Verfügung.